Eure Empfehlung zur JGL-100 (ISO 25 oder BT30, 400 Hz oder 800 Hz, Welcher FU)

  • Hi zusammen,


    ich lese schon eine Weile hier bei Euch mit und habe mich nun auch angemeldet. Mein Name ist Stefan und verfalle gerade der Faszination CNC. Aktuell plane ich die Anschaffung einer ATC-Spindel. Durch dieses (und weitere) Forum bin ich mittlerweile bei der JGL-100 von jiian-ken angekommen und habe auch bereits ein Angebot von Wafer erhalten (JGL-100 mit 3,2 KW mit Spindelhalter und zwei zusätzlichen Werkzeughaltern und ER20 für 1950 USD inkl. Versand nach Deutschland). Mein Anwendungsfall ist fast ausschließlich das Fräsen von Massivholz mit großen Abnahmen beim Schrubben, selten auch mal Alu.


    Hierbei kann ich bei Wafer kostenlos auswählen, ob ich eine ISO25 oder eine BT30 - Aufnahme haben möchte. Auch die Auswahl der Frequenz (400 oder 800) ist kostenneutral möglich. Bei der Frequenz habe ich mich nach dem Durchforsten verschiedenster Beiträge für 400 Hz entschieden, um das Thema Vektorsteuerung zu ermöglichen. Ebenfalls nach Recherche im Forum bin ich zum FU beim Hitachi WJ200 gelandet. Diesen gibt es jedoch mit der erforderlichen Leistung von mind. 3,2 KW ausschließlich in der 380 V Version (WJ200-040HF). Da ich in meiner Werkstatt aktuell ausschließlich 230 V liegen habe, wäre hiermit ein entsprechender Aufwand verbunden.


    Jetzt meine Fragen:

    1. Lohnt sich der deutliche Mehraufwand und -preis für die 400 Hz-Variante bzw. könnt Ihr mir einen alternativen FU empfehlen, welcher das Ganze (400Hz mit Vekotorsteuerung) mit 230 V realisieren kann?

    2. Würdet Ihr eher die ISO25 oder die BT30 - Aufnahme empfehlen. Was sind die Vor- und Nachteile.


    Ich freue mich über eine konstruktive Rückmeldung.


    Viele liebe Grüße
    Stefan

  • Hallo Stefan,


    wenn du dir aktuell über die Anschaffung einer ATC Spindel Gedanken machst, gehe ich davon aus, dass deine Maschine fertig und ausreichend stabil ist, und nur noch die Frässpindel fehlt.

    Lass dich aber nicht täuschen, nur weil in letzter Zeit viele die JGL bestellt haben, dass diese Spindeln ohne Fehler sind.

    Deine Frage nach den Werkzeugaufnahmen, würde ich so beantworten: es kommt darauf an, wie groß ist dein größter Fräser. ISO 25 oder BT 30 ist eigentlich egal.

    Dir sollte aber bewusst sein, dass du die Aufnahmen nicht unter einander tauschen kannst.

    Hier spielen die unterschietlichen Winkel der Aufnahmen eine Rolle. Manche Aufnahmen sind gleich, werden aber von den Herstellern anders bezeichnet.


    Gruß Dietmar

    Halte dir jeden Tag 30 Minuten für deine Sorgen frei und in dieser Zeit mache ein Nickerchen.

    Abraham Lincoln

  • Hallo Dietmar,


    dank für Deine Antwort. Die Spindel kommt an eine Sorotec Alu-Line Heavy (das sollte laut Sorotec kein Problem sein). Die Steuerung ist fertig und die Maschine kommt in ein paar Wochen.


    Bin bei der Suche nach einer geeigneten ATC-Spindel primär aufgrund der vielen Community-Posts auf JGL und RATTM gekommen. Mein Eindruck aufgrund der bisherigen Recherche ist, dass hier das Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut ist und man aufgrund der Erfahrungen vieler anderer deutscher Nutzer kein allzu großes Risiko eingeht, eine solche Summe nach China zu schicken. Zusätzlich hat man über die Community gute Chancen auf Unterstützung, wenn man wo nicht weiter kommt. Habt Ihr noch andere Vorschläge in der Preisklasse um 2000 €?


    Bzgl. BT30 / ISO25: Da ich noch keine ATC-Halter besitze, wäre die Kompatibilität zwischen den Normen für mich nicht wichtig. Beim BT-Halter gibt es ja eine Nut, welche scheinbar verhindert, dass sich der Halter ungewollt löst. Diese Nut scheint aber bei größeren Drehzahlen dazu zu führen, dass es zu einer Unwucht komme kann. Hat hier jemand Erfahrungen gemacht? Ist meine Annahme richtig, dass ich in eine BT30-Aufnahme maximal ein Werkzeug mit 30 mm Schaft-Duchmesser spannen kann und bei einer ISO25 eines mit 25 mm?


    Hat noch einer einen Tip zu meiner ersten Frage (FU), s.o.?


    Viele Grüße

    Stefan

  • Die Nut bei den BT Aufnahmen hat nichts mit dem ungewollten lösen der Aufnahme zutun.

    Einzig und allein der Anzugbolzen der WZ- Aufnahme und die Spannmechanik in der Spindel sind für die richtige Klemmung zu ständig.

    Sollte man an diesen Stellen einen Fehler beim Klemmen machen, nützt dir auch die Nut an der Halterung nix.

    ISO 25 bis 25mm BT30 mit ER32. Ich glaube, größer als ER 32 geht nicht.


    Gruß Dietmar

    Halte dir jeden Tag 30 Minuten für deine Sorgen frei und in dieser Zeit mache ein Nickerchen.

    Abraham Lincoln

  • Hallo Stefan,


    meiner Meinung nach lohnt sich eine Spindel mit BT30/ISO25 nur, wenn man sehr häufig die Werkzeuge wechseln muss .

    Eine Spindel mit 800Hz und entsprechendem FU braucht man, wenn man niedrige Drehzahlen braucht, z.B. bei großen Fräserdurchmessern. Bei Holzarbeiten nicht unbedingt nötig, wer fräst schon Holz mit einem 30mm Fräser?.

    Wichtig wäre eine Wasserkühlung. (Lautstärke und Späneflug).


    Gruß

    Udo

  • Hallo zusammen,


    ich versuche die verschiedenen Punkte einmal einzuordnen:


    FU Auswahl:

    Wenn ein FU in entsprechender Leistungsklasse nicht anschließbar ist (da keine 3 phasige Versorgung) dann würde ich eher auf eine 2.2 kW Spindel gehen. Diese Leistung ist in Holz bei kräftiger Bearbeitung durchaus zu erreichen, jedoch muss das dann die Aluline auch erst einmal wegstecken. 3.2kW auf einer mit 16A abgesicherten Leitung ist zwar drin, aber dann bitte auch nicht über eine normale Steckdose und definitiv ohne weitere Verbraucher an der Sicherung.
    FU-Empfehlung: Ich bin WJ200/MX2 Nutzer und kann daher nicht wirklich für ein andere FU sprechen.


    Frequenzauswahl:

    400 oder 800Hz wäre eine Frage der Polzahl (bei gleicher n_max). 400Hz macht dir das Leben leichter, da du mehr FU zur Wahl hast.

    Sollte es um eine maximale Drehzahl von 30.000 1/min gehen, so sei auf dieses Dokument verwiesen: LINK. Kurzfassung: 560Hz (30kRPM bei 2 Polen) sind auch mit den normalen wj200 und mx2 möglich (jedoch mit Abstrichen bei der Vektorregelung)


    BT30 vs ISO25 vs ISO20:

    Ich würde wohl zu BT30 greifen. ISO25 gibt es in weniger Bauformen und - zumindest vor 2 Jahren - waren die Dinger teurer. BT30 ist gut verbreitet. Die Mitnehmernut ist optional. Die JGL100 hat soweit ich weiß ohnehin keine Mitnehmersteine, da diese bei einer Spindel ohne Encoder auch wirklich stören würden (Werkzeugwechsel wird problematisch) . Bitte selber prüfen, wie gut verfügbar entsprechend hochwertig gewuchtete BT30 sind. Bei 24kRPM willst du keine für 6kRPM gewuchteten Werkzeughalter einsetzen. Vorteil der Verfügbarkeit anderer Bauformen: Wenn doch Spaß oder BEdarf für die Bearbeitung von Alu auftritt, dann gibt es Planfräser, Bohrfutter und co auf dem Markt. Dabei aber Beachten: Das frisst gewaltig Z Höhe. Geringe rotierende Maßen freuen die Spindel (beschleunigt schneller), daher nicht stumpf alles in ER32 kaufen, sondern eher auf ER20 in der Maße gehen und einige größere dazu nehmen. Auf ISO20 mag ich auch ER16 sehr gerne, da diese insgesamt wesentlich kleiner sind und für kompakte Fräser ausreichen. ER32 ist jedoch sehr nett, da es auch mal große Fräser (d.h. >>13mm (ER20)) erlaubt. Das ist aber eher für Alu und Co spannend, da man dann auf diverses Wechselplattenwerkzeug zurückgreifen kann. Auch ein BT30 40mm 4 schneidiger Plankopf ist eine feine Sache, wenngleich die typischen günstigen WSP nicht für Holz geeignet sind (fehlende Schärfe). Richtig ist aber auch, dass große Schaftdurchmesser bei Holz doch eher ungewöhnlich sind. Die Aluline wird auch einen 20mm Fräser (Prügel) nicht sinnvoll (d.h. tief und mit dem erforderlichen Vorschub) durch Holz schieben. Dazu ist die nicht steif genug.


    Die Kommentare von Udo verstehe ich nicht so ganz und versuche daher meine Perspektive darzulegen:

    -ATC Spindeln machen immer Spaß. Selbst mit manuellen Wechsel, ist ein eherblicher Geschwindigkeitsvorteil gegeben, da das Werkzeugeinmessen entfällt. Ob man es im Hobby braucht ist wohl eine Frage, die man gar nicht erst stellen darf;).

    -800Hz und niedrige Drehzahlen passen für mich nicht zusammen. Auch bei 4poligen Spindeln nicht.

    -Holz mit 30mm Fräser? Eher nicht zum Schruppen (heißt für mich hohes AP und AE), dafür aber um etwas plan zu fräsen. Richtig ist aber auch: Werkzeug dafür hat selten 30mm Schaftdurchmesser in VHM (teuer).

    -Wasserkühlung: Die Spindeln dieser Art und der genannten Anbieter sind meines Wissens nach alle Wassergekühlt.


    PS: Folgekosten berechnet?

    Spindelhalter für 100mm? und passt der überhaupt auf die Aluline?

    Kompressor mit entsprechender Luftleistung

    Kältetrockner

    Diverse Ventile, Luftfilter 5 Mikrometer

    Chiller

    Platz in der Schleppkette?

    Maximales Gewicht auf der Z Achse? Antrieb auf der Z-Achse? So eine ATC Spindel, vor allem eine JGL100 ist groß und schwer und will immer zum Erdmittelpunkt. D.h. entsprechender Vorschubantrieb, ggf. Gewichtsentkopplung sonst drohen Schrittverlust oder ewig flache Beschleunigungsrampen.

    Geeignete Steuerung und das Knowhow sie anzupassen? (d.h. kein Estlcam) Bitte beachten: Spindel darf in KEINEM Fall anlaufen, wenn sie geöffnet ist.

  • Hallo zusammen,


    ich bin ganz überwältigt von Euren tollen Rückmeldungen. Besonders Du Guido hast Dir ja richtig Arbeit gemacht - herzlichen Dank dafür! Ich bin bereits Deinen Ausführungen zur JGL-80 mit Begeisterung gefolgt.


    Zu Euren Hinweisen:

    • Hieraus ergibt sich für mich, dass ich wohl zur Werkzeugaufnahme BT30 greife.
    • Ein Spindelhalter wäre beim Angebot von Wafer bereits dabei. Mein Plan war, mit Sorotec abzuklären, ob das Lochmuster der Halterung auf die AluLine passt bzw. ob die Möglichkeit besteht, bei der Fertigung entsprechende Bohrungen mit einzuplanen.
    • Es gibt sehr viele gute Gründe für eine ATC-Spindel, sodass für mich das OB nicht in Frage steht :-)
    • Das Nachrüsten eines Starkstromanschlusses wäre durchaus (mit einem gewissen Kostenaufwand) machbar - ich bin halt unsicher, ob sich der Mehraufwand lohnt, sprich ob es am Ende wirklich einen Mehrwert bringt. Die JGL-80 hatte ich zuerst im Blick (hier wäre ich ja problemlos mit 230 V in der Lage, das zu versorgen), Wafer hat mir aber klar zur JGL-100 geraten. Da ich ja auch die Heavy-Version der Alu-Line gewählt habe nehme ich an, dass das mit der JGL-100 gut harmoniert. Die Antriebe sind entsprechend ausgelegt und es wird auch ein Bremsmodul verbaut.
    • Geeignete Steuerung vorhanden (EdingCNC) - das KnowHow sie anzupassen (noch) nicht. Da ich aber einen technischen Hintergrund habe traue ich mir das dank Youtube und tollen Foren wie diesem hier zu.

    Es fehlt mir aktuell die Tendenz, ob ich mit der JGL-80 klar komme oder besser zur JGL-100 greife. Guido: Wie sind Deine Erfahrungen mit Hartholz? Welche Vorschübe und welche Zustellungen traust Du der JGL-80 hier zu (beim Schrubben)? Plan ist die Verwendung eines 16 mm Schrubbfräsers.


    Viele Grüße
    Stefan

  • Gute Frage - bin ja aktuell ohne aktive Maschine. 20x4 (ap, ae) bei 4m/min sollte wohl drin gewesen sein. Leider nie in Holz ausgereizt, da vor allem Alu bearbeitet. Meine alte Maschine hatte so ihre Problemschen mit den Achsantrieben, daher war die Spindel nie das Limit. Wenn Du die Voraussetzungen schaffen kannst, dann nimm die 100er. Haben ist besser als brauchen;).

    Ich gehe bei der AluLine jedoch davon aus, dass die Maschine selbst, auch in der Ausführung "Heavy", der limiterende Faktor sein wird. Die Wangen sind vergleichsweise hoch und dünn.

  • Hallo zusammen,


    danke für die Unterstützung! Ich werde dann wohl die JGL-100 mit BT30, 400 Hz und einem Hitachi WJ200-040HF (380 V) bestellen und freue mich, Euch in ein paar Monaten erste Erfahrungen mitteilen zu können.


    Viele Grüße

    Stefan

  • Hallo,


    noch mal kurz etwas zu diesem Thema. Hier mal Bilder von einer NT30 ER25 Aufnahme.

    Diese hat den gleichen Winkel wie die ISO30 Aufnahme.

    Diese sind aber mit M12 Gewinde für eine Einzugsstange für meine konventionelle Fräsmaschine in meiner Werkstatt.

    Also, das würde ich mir nochmal überlegen, ob du wirklich diese Größen brauchst.

    Das wäre schon eine Ansage für deine Fräse.


    Gruß Dietmar

    Halte dir jeden Tag 30 Minuten für deine Sorgen frei und in dieser Zeit mache ein Nickerchen.

    Abraham Lincoln

  • Hi Dietmar,


    sorry für die späte Rückmeldung und danke für den Hinweis. Ich habe noch nicht bestellt und der Grund dafür ist, dass ich auch immer wieder unsicher bin, ob die JGL-100 für die AluLine nicht doch etwas oversized ist. Ich habe daraufhin bei JGL die JGL-80 angefragt, welche preislich allerdings nicht mal 100 € Unterschied macht. Daher gehen meine Gedanke bzw. die neue Fragestellung in die folgende Richtung:


    Wie schwer wiegen die Nachteile, die ich mir über die fast doppelt so schwere JGL-100 (verglichen mit der 80er) einkaufe gegenüber den potentiellen Leistungsvorteilen der 100er gegenüber der 80er? Der Preisunterschied spielt keine relevante Rolle.


    Was würdet Ihr an der Stelle tun. Das ursprüngliche Argument für die 100er war, dass ich beim Schrubben häufig viel Material (Massivholz, auch Hartholz) möglichst schnell wegnehmen können möchte.


    Viele Grüße und einen schönen Abend,

    Stefan

  • Hi zusammen,


    für Euch zur Info: Ich habe mich nun für die JGL-80 entschieden weil ich denke, dass diese stimmiger zu meiner Fräse (Sorotec AluLine) passt. Jetzt geht's ans Organisieren des nötigen Zubehörs.

    Guido: Hast Du zufällig von Deinen Erfahrungen mit der JGL-80 eine Liste der benötigten Teile (Wasserkühlung, Pneumatik etc.)?


    Viele Grüße

    Stefan

  • keine Einkaufsliste, meine Auswahl ist etwas speziell


    Minimal:

    Druckluft:

    Kompressor, min 150l/min (mehr deutlich besser, der läuft sonst sehr viel)

    3 druckregler (es geht aber auch mit 2)

    2 einfache Ventile (2/2) oder 3/2

    1 Ventil für den spannmechanismus: bei mir geht das mit 3/2, je nach Bauform (aktive Rückstellung, idR nicht bei JGL80) dann 5/2

    Druckluftfilter 5 Mikrometer

    6mm Schlauch

    Ggf drosselventil um die Luftmenge der Sperrluft zu regulieren


    Kühlung:

    Einfache Lösung: Chiller cw-3000

    Schläuche so kurz wie geht, ggf auf 10mm umbauen (Standard sind 8mm)

    Nervig am cw-3000: durchflussalarm ist ein Schalter und nicht einstellbar. Bei mir geht der trotz ausreichendem Fluss gerne an, wurde abgeklemmt


    Alternativ: PC Wasserkühlung, direkt auf der Rückseite des Portalbalken montiert: 240er Radiator, 2 Lüfter, Ausgleichsgedäß mit Pumpe und fertig.


    Mechanisch: je nach Bauform (oben dicker), brauchst du ein Zwischenstück auf der Z Platte. Ich meine das 10 oder 12mm Alu ausreichen.