Aluverbundplatte / Dibond gravieren

  • Hallo zusammen,


    für ein aktuelles Projekt möchte ich Dibond gravieren. Fräsen hat gut geklappt mit Spiralfräser 1,6mm 2Z und Kühlung per MMS uns Wasser-Spiritus mit Spüli. Zustellung 1,1mm bei 24000 und 700mm/s


    Zum Gravieren habe ich den gleichen Fräser fürs Grobe und einen Gravierfräser 1Z mit 90° Winkel genommen. Ebenfalls mit Kühlung.


    Die Gravur wird in der Tiefe nicht sauber. Es sind immer Späne in dem Boden der Gravur mit dem PE Kern verschmolzen. In einem Rutsch auf 0.7mm Tiefe liefert das schlimmste Ergebnis. Zwei Zustellungen, erst 0.3 dann nach Reinigung nochmal 0.2 das beste. Da bei der zweiten Runde im wesentlichen PE gefräst wird habe ich die Drehzahl deutlich reduziert.

    Nun sieht der Boden Arg zerrupft aus.


    Jemand Tipps wie es besser geht?


    Gruß Patrick

    Estlcam V11 - Steuerung Arduinoclub Estlcam BOB - Fusion360

  • Moin...
    Bin mal gespannt, ob jemand eine Lösung dafür findet.
    Hatte neulich ein ähnliches Problem.
    Wollte für eine Steuerung eine Frontplatte aus Dibond mit Schrift versehen.
    Auch bei den (im Vergleich zu Deinen Flächen) sehr schmalen Linien der Schrift sah das alles sehr unsauber aus.
    Hab dann erstmal auf die Gravur verzichtet...

    Grüße
    Dirk

  • Hast Du einen Stichel verwendet? Ich würde hier direkt einen Gravierfräser mit positiver Schneide verwenden und unten spitz lassen. Wenn unten ein ebener Fräsgrund benötigt wird, dann mit einem kleinen Schaftfräser den Grund nachräumen.

    Moin Alois.

    Sollte sich Deine Antwort auf mein Posting beziehen:
    Ja, habe einen Gravierstichel benutzt.
    Allerdings auch mit einem sehr kleinen Winkel (meine 30 oder 45 Grad)
    Aber das Ergebnis hat mir absolut nicht gefallen.
    Hab ich leider schon entsorgt, sonst hätte ich mal ein Bild machen können.
    Hatte es dann auch mal mit einem 0,7mm Fräser (Diamantverzahnt, Fischschwanzanschliff) versucht, aber der ist schon beim 2. Buchstaben abgebrochen :-(

    Grüße
    Dirk

  • Hallo Dirk,

    ja ich habe mich auf Deinen Post bezogen. Ich würde zuerst mit diesem Fräser die Gravur machen und evtl grob vorräumen. Nur den Graviergrund wenn nötig mit einem kleinen scharfen Schaftfräser nachsetzen. Mit der Schneide habe ich mich nicht auf den Spitzenwinkel bezogen sondern auf den Schneidenwinkel. Beim Stichel ist der eigentlich 90° zum Span. Das schabt mehr als es Material abträgt. Bei den Fräsern würde 90° oder 60° verwenden.

  • Der von mir verwendete war kein Stichel, sondern eher ein Entgrater. 90° Spitze bei 1Z.

    Ich werde es mal versuchen ohne Kühlmittel, dafür mit absaugen. Vielleicht ist es dann besser. Den Fräser zum Räumen werde ich mal durch einen ganz neuen ersetzen. Vielleicht ist er nicht mehr scharf genug und deshalb franst es aus.

    Estlcam V11 - Steuerung Arduinoclub Estlcam BOB - Fusion360

  • Gestern und heute habe ich nochmals ein paar Versuche gemacht.

    Als Fräser kamen diesmal 1,5mm und 1mm Spiralfäser 1 Zahn sowie Gravierstichel 30° weil der da war.


    Das Räumen ging gestern gut, sauberer Grund, scharfe Kanten. Der Stichel hat es aber immer versaut. Diesmal ohne MMS aber mit Sauger.


    Heute dann mit einem 1Z 60° Gravierfräser von Sorotec. Diesmal hat es beim räumen die Fräser gekostet. Zwei sind mit abgebrochenen, dann hatte ich keine Lust mehr.


    Das Material wirft sich unglaublich auf und schwingt sehr. Festspaxen auf OSB taugt hier nichts. Durch MMS quillt die auf. Ich werde beim nächsten mal die Platte fest aufkleben, etwa auf eine 10mm Alu Platte.


    Alles gefräst bei 800mm/s, 0,4MM in Z bei 200mm/s eintauchen und 24.000 RPM


    Tipps? Immer her damit.


    Gruß Patrick

  • Das Schwingen bei einigen Werkstoffen nervt mich auch.
    Ich wollte es durch einen Niederhalter beseitigen, leider scheint es nichts passendes für eine Eurohalsaufnahme zu geben.
    Jedenfalls habe ich nur eine Variante gefunden und die soll über 200€ kosten, das finde ich etwas happig.
    Dieses Teil wollte ich umbauen bekomme es aber nicht demontiert und zerstören möchte ich es nicht.
    Ist leider viel zu groß. Aber evtl ein Ansatz für die Beseitigung deines Problems?

    Ist vom Chinesen und hat um die 15€ gekostet.

  • Ich klebe solche dünnen Werkstücke immer mit doppelseitiger Klebefolie auf die Opferplatte um das Schwinden zu verhindern.

    Das mache ich bei kleinen Bauteilen auch, wenn ich keine Stege stehen lassen will, damit die nicht durch die Absaugung flüchten:-)


    Der einzige Nachteil ist das man nach dem Fräsen die Klebefolie abfummmeln muss.

  • Bin mal gespannt, ob jemand eine Lösung dafür findet.

    Ja, kann ich Dir sagen…

    Die Aluverbundplatten bestehen aus einer 0.3-0.5mm Deckschicht aus weichem Aluminium und einer Füllung aus Polyethylen Typ LDPE mit einer niedrigen Dichte von 0.92.

    Das Alu ist aus einer Legierung EN AW-5005 (AlMg1).

    So eine Alulegierung möchte keiner auf der Fräse haben weil es ohne Ende schmiert.

    Bei der dünnen Materialstärke verhindert aber das PE ein Ansetzen an der Schneide.

    Das PE möchte auch keiner auf der Fräse haben, ein LDPE PE hat extrem stark verzweigte Polymerketten bei einer sehr niedrigen Dichte, das Material ist nur mit extrem scharfen Fräsern und sehr geringer Drehzahl zu schneiden. Sobald das PE beim fräsen warm wird, wird es weich wie Wachs. Da gehört das PE auch hin, es wird als Härtewachs verwendet. An der Spitze eines V-Nutfräsers bildet sich immer ein Wirbel des PE, da die Schneide an der Spitze nicht schneidet sondern nur reibt.

    Sobald das PE etwas warm wird werden die Fräsungen schön unsauber, kühlen mit Wasser/Spüli ist Pflicht.

    So eine Dibond-Platte hat eine Schutzfolie, man kann die Platten mit Schutzfolie zum Fräsen einfach aufkleben, mit doppelseitigem Klebeband oder Sprühkleber. Wenn die Schutzfolie nicht mehr da ist zieht man neue auf, mehr braucht man nicht zum Fräsen.

    Werkzeuge:

    Es gibt extra Fräser für Dibond.

    Die V-Nutfräser haben vorne eine flache Schneide in der Mitte, ab ca. 1mm, einmal damit das PE überhaupt sauber geschnitten wird und zweitens kann man damit Nuten zum Biegen fräsen.

    Bildschirmfoto 2021-06-08 um 15.20.17.png

    Es werden für Dibond nur Fräser zwischen 90° und 135° Spitzenwinkel verwendet, also mit sehr stumpfem Winkel, damit die Schneide sauber nach unten schneidet und die Spitze sich nicht aufheizt. Spitzere Fräser werden unsauber, da das PE eben an der Spitze nicht geschnitten und warm wird. Ein stumpfer Spitzenwinkel verhindert auch das man tief ins Material fräsen muss.


    Es wird immer nur durch die Deckschicht aus Alu gefräst oder graviert, also möglichst nicht in das PE rein. In diesem Bereich kühlt das Aluminium den Kunststoff.

    Es muss immer ins Volle geschnitten werden, also nicht mit niedrigen Tiefenzustellungen. Eine Fräsung auf Zieltiefe oder direkt durch.


    Was ich bei Patrik sehe ist das Resultat von einem Fräser der nicht scharf genug ist in Kombination mit zu tiefer Fräsung. Die Späne schmelzen wieder an. Sogar die Aluspäne sind ins weiche PE gescholzen.

    Kauf geläppte, scharfe und möglichst große Fräser, geh mit niedriger Drehzah und hohem Vorschub ran. Mit Vibrationen hat das nichts zu tun. Und die Kühlung fehlt.

    Der Fräser hat das PE nur verdrängt, nicht geschnitten.


    Dibond ist ein Fassadenmaterial. Es muss billig sein und im Außenbereich 25 jahre halten. Als Schildermaterial ist es noch tauglich als Untergrund, entweder zum Direktdruck oder um einen Druck aufzuziehen.

    In der Werbetechnik werden Hohlkörper daraus gebaut. Egal was, man verwendet es nur für Anwendungen bei denen die lackierte Oberfläche gesehen wird, niemals so das das PE frei liegt. Das ist auch kaum UV-beständig.

    Als Graviermaterial eignet sich das Zeug überhaupt nicht, da gibt es besseres.


    grüße

    ralfg

  • Hallo Ralf,


    danke für die Infos über die Dibondplatten. Habe sie nur als Bildträger in Verwendung, aber man weiß ja nie.
    Weil gerade Zeit war habe ich einwenig nach ähnlichen Produkten gestöbert. Mit Alubeschichtung habe ich nur die 19mm Spanplatten für Küchensockel gefunden.
    Gibt es eine Alternative zu Dibond damit Patrick sein Projekt einfacher umsetzen kann?

    Grüße Anton

  • Gibt es eine Alternative zu Dibond damit Patrick sein Projekt einfacher umsetzen kann?

    Ich weiß nicht was das für ein Projekt ist, es wird mir aus den Beiträgen auch nicht klar.

    Grundsätzlich kann man Dibond gravieren. Und eine ordentlich eingerichtete CNC Fräse ist in der Lage präzise nur die Alubeschichtig abzutragen.

    Wenn es um eine Gravur weiß/schwarz geht, da gibt es Gravurkunststoffe mit vielen Kombinationen. Wichtig ist dabei das der Kern aus einem gut zerspanbaren Material besteht. Bei den Gravierkunststoffen ist es meist ein ABS Kern.

    Ansonsten kann man Platten lackieren oder auch einfach mit Folie beziehen. Das ist günstig und schnell zu machen.


    grüße

    ralfg

  • Hallo zusammen,


    konkret baue ich mir gerade einen neuen 3D Drucker. Es wird ein Voron 2.4 in 300mm für die Interessierten. Dieser wird meinen x-mal geänderten Sparkcube beerben.


    Letztlich bestehen einige Teile der Verkleidung aus Dibond. Die Idee war, auf der Rückwand ein Logo zu gravieren. Das kann man fertig kaufen, dann bedruckt. Mir war das zu teuer und so habe ich das Dibond einfach im Zuschnitt gekauft und passend gefräst. Fräsen der Ausschnitte usw. war kein Problem.


    Zum Üben habe ich dann das auf den Fotos zu sehende Reststück genommen.


    Aktuell fräse ich das Heizbett des Drucker. Der druckt ja auch ohne Gravur, aber nicht ohne Bett.


    Bei Zeiten werde ich es nochmal versuchen. Dann mit Vakuumtisch.


    Danke für die vielen Infos.


    Patrick

    Estlcam V11 - Steuerung Arduinoclub Estlcam BOB - Fusion360