Geschichte einer unglücklichen Kugelumlaufmutter

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    • Geschichte einer unglücklichen Kugelumlaufmutter

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      Hallo zusammen,

      ich hoffe es verstößt nicht gegen die Forumsregeln wenn ich hier unter meinem Usernamen kurz jemand anderes zu Wort kommen lasse.
      Da ich aber beim Zusammenbau meiner Fenja den Fehler begangen habe die Kugelumlaufmutter der Tischachsenspindel zu demontieren möchte sich diese hier vorstellen. 8|


      Hallo ihr lieben, ich bin eine kleine aber feine Kugelumlaufmutter und ich komme aus dem fernen China wo ich vor etwa 1,5 Jahren, hauptsächlich aus importierten hochwertigem Schrott aus Europa,
      über einen heißen Schmelzvorgang und weiteren Bearbeitung meine heutige Gestalt erhielt.

      Durch feingliedrige Hände wurde ich mit Kugeln gefüllt und habe zwei wunderhübsche Dichtringe erhalten. Nachdem ich soweit hergerichtet war durfte ich meine Spindel in Empfang nehmen und wurde
      sorgfältig verpackt und als Kugelumlaufspindel eingelagert.



      Eigentlich könnte die Geschichte hier zu Ende sein und ich ein sorgenfreies Leben in meiner Heimat zusammen mit vielen Brüdern und Schwestern in meinem Geburtsort genießen – aber nein.

      Ich wurde zusammen mit einigen meiner Geschwister in eine dunkle Kiste gepackt und es ging auf den weiten Weg nach Europa. Genauer gesagt zu der Fa. Kamp & Kötter in Deutschland.
      Und auch hiermit hätte ich mich noch abfinden können – aber wie das Leben so spielt, es wird immer schlechter als man denkt.

      Steami (dieser herzlose Mensch) orderte einen Satz Kugelumlaufspindeln zum Bau einer „Fenja“ bei eben dieser oben aufgeführten Firma. Warum das Schicksal mich dazu auserwählte „ihm“ in die Hände
      zu fallen ist mir bis heute ein Rätsel. Aber für euch alle –laßt euch nicht von Steami demontieren-


      Anscheinend war Steami von der Euphorie des Bauens so angetan, dass er jegliche Anleitungen und Baubeschreibungen ignorierte und mir meine, in der Zwischenzeit echt ans Herz gewachsene Spindel entriss!
      Dass ich hierbei alle meine Kugeln verlor müsste ich euch eigentlich nicht erzählen aber Kugeln sind, wie das Blut beim Menschen, das Lebenselexir einer Kugelumlaufmutter. Aber gut, einige Tage später bemerkte
      Steami seinen Fehler und jetzt begann das Drama erst recht. Wenn ich jetzt im Nachhinein an die Schmerzen denke möchte ich am liebsten Opium rauchen oder irgendein anderes Narkosemittel zu mir nehmen.

      Hier eine Kurzbeschreibung seiner Vorgehensweise:

      Dienstag 16:00 Uhr:
      Erster Versuch mir die Kugeln wieder einzuverleiben (das einzige was klar war, es müssen 68 Kugeln aufgeteilt auf 4x 17 Kugeln eingebracht werden).

      Dienstag 18:30 Uhr:
      Die Kugeln sind irgendwie drin. Und in mich wird ein Papierröllchen eingeschoben, dass die Kugeln nicht herausfallen sollen.

      Dienstag 18:32 Uhr
      Der Schreck bei meinem Folterknecht ist groß, als er feststellen muss, dass an der Seite wo er mich auf die Spindel aufsetzen will nur ein kurzer Absatz mit 12mm Durchmesser vorhanden ist.

      Dienstag 18:40 Uhr
      Es hat nicht geklappt und meine Kugeln sind wild durcheinander in meinem Bauch.

      Dienstag 20:15 Uhr
      Die Kugeln hat er wieder in mich hineingestopft und den Ansatz an der Sindel mit Klebeband umwickelt.

      Dienstag 20:20 Uhr
      Der neue Versuch mich auf die Spindel zu bekommen hat nicht funktioniert – alles zurück auf null. Und was mach „Er“ er macht Abendbrot und trinkt Weizenbier.

      Dienstag 22:15 Uhr
      Es geht weiter. Kugeln wieder einfüllen.

      Mittwoch 00:15 Uhr
      Aha es geht schon ein bisschen schneller. Die Kugeln sind drin und ich werde auf die Spindel gequetscht. Es geht auch ein Stückchen voran, aber dann hakt es wieder.

      Mittwoch 00:45 Uhr
      Er sieht ein, dass das so nicht geht und somit wieder zurück auf null.


      Mittwoch 01:15 Uhr
      Dass ich das noch erleben darf, dieses Mal entfernt er zum Befüllen meine beiden Dichtringe. Ha, da kommt er doch gleich viel besser ran.


      Mittwoch 02:15 Uhr
      Das ging dieses Mal ja richtig schnell. Kugeln sind drin, Dichtringe montiert – aber warum gehe ich jetzt nicht auf die Spindel? „Er“ hat die Dichtringe um 180° verdreht eingebaut. Also wieder zurück auf Anfang.

      Mittwoch 02:30 Uhr
      „Er“ geht frustriert ins Bett!

      Mittwoch 10:00 Uhr
      „Er“ erscheint und hat schlechte Laune! Ich werde wieder mit den Kugeln befüllt und jetzt fällt ihm auf, dass ich ja doch ein recht komplexes Innenleben habe. Ja, wo gehören denn die Kugeln hin?

      Mittwoch 12:00 Uhr
      Neuer Versuch Kugeln sind wieder eingefüllt und sogar die Dichtringe richtig montiert. Es klappt trotzdem nicht!

      Mittwoch 12:30 Uhr
      Der „Herr“ hat mich wieder komplett zerlegt und sich zum Essen verabschiedet.

      Mittwoch 14:30 Uhr
      „Er“ ist wieder da und hat erstaunlich gute Laune. Anscheinend hat er sich im Internet und Youtube erkundigt wie ich denn eigentlich funktioniere. Das Aha-Erlebnis ist groß.
      Er weiß nun, dass die vier Umlenkungen (Plastikeinsätze dazu dienen, dass die Kugeln immer wieder in den einen Spindelgang zurückgeleitet werden. Ebenso hat er festgestellt,
      dass meine Spindel zwei unterschiedliche Enden besitzt. Alles wird von „Ihm“ nochmals genau untersucht und es geht weiter.

      Mittwoch 15:00 Uhr
      Es geht mir besser „Er“ hat mich gebadet und hübsch sauber gemacht, abgetrocknet sieht das Leben schon wieder viel freundlicher aus. Und –huch- jetzt erkennt er auch wo die Kugeln tatsächlich hingehören.

      Mittwoch 15:30 Uhr
      Aus einem Aluminiumrundstab dreht mein Herr und Meister eine Hülse für die Antriebsseite der Spindel. Innendurchmesser 12 mm Außendurchmesser 13,6mm mit einer Länge von 70 mm.

      Mittwoch 17:00 Uhr
      Meine 4 Umlenkungen hat „Er“ wieder in mich (mit Pinzette und Uhrmacherschraubendreher) eingefügt. Die Dichtringe hat er probeweise montiert und mich über die Hülse auf die Spindel (ohne Kugeln) aufgedreht.
      Das sieht nicht schlecht aus!

      Mittwoch 17:15 Uhr
      Von der Spindel entfernt und meiner beiden (nun markierten) Dichtringen beraubt liege ich wieder auf dem Operationstisch. Mit reichlich Fett wird jede einzelne Kugel nun in den richtigen Gang eingelegt.
      Die gedrehte Hülse je nach sukzessivem Fortschritt eingeführt. Nachdem alle Kugeln richtig platziert wurden hat „Er“ die beiden Dichtringe montiert. Wow, das ging alles ganz einfach und schmerzfrei.

      Mittwoch 17:35 Uhr
      Ich werde mitsamt der gedrehten Hülse auf die Antriebseite der Kugelspindel gesteckt und langsam auf die Spindel aufgedreht. Was soll ich sagen – hat gar nicht weh getan.

      Mittwoch17:45 Uhr
      Nein ich bin „ihm“ nicht mehr böse – er hat es einfach nicht verstanden gehabt. Und jetzt „kugelumlaufe“ ich wie neu und gut geschmiert vor mich hin.


      So, das war’s was meine kleine, feine chinesische Kugelumlaufmutter euch mitteilen wollte.


      Und die Moral von der Geschichte?

      „Wenn man Fehler macht muss man büsen“

      – oder „immer schön ruhig bleiben, nicht die Geduld verlieren, sich am Besten vorher gut informieren – das könnte helfen“

      -oder „man lernt immer wieder dazu“



      Übrigens das hilft auch nicht wirklich


      Aber es schmeckt!



      Und jetzt noch ernsthaft!

      So schlimm ist es wirklich nicht!

      • Kugelumlaufmutter komplett demontieren
        Mutter, 68 Kugeln, 4 „Umlenkungen“ und zwei Dichtringe mit Waschbenzin auswaschen und trocknen


      • Jeweils 17 Kugeln gut einfetten und mit Pinzette (und evtl. Uhrmacherschraubendreher) in den Spindelgang einfügen wo sich eine „Umlenkung“ befindet


      • Durch das Fett halten die Kugeln ziemlich gut in den Gängen


      • Die beiden Dichtringe in die Kugelumlaufmutter einsetzen und anschrauben (Achtung richtige Anordnung beachten 180° verdreht funktioniert nicht – am Besten Mutter ohne Kugeln
        mit Dichtungen auf Spindel aufdrehen, sollte leichtgängig funktionieren und die Dichtungen und die Mutter markieren)


      • Vorteil ist eine Hülse wie oben beschrieben. Ich habe sie aus Aluminium gedreht. Innendurchmesser 12,0mm, Außendurchmesser 13,6mm und ungefähre Länge 70mm (halt länger als die Mutter.


      • In die vormontierte Mutter die Hülse einschieben (vorsichtig)


      • Die komplette Mutter mit der Hülse auf die Antriebsseite der Spindel aufschieben und die Mutter auf die Spindel aufdrehen (die Hülse dabei immer gegen das Gewinde schieben)




      Sorry Bilder vom Kugeln einbringen habe ich keine gemacht - da war ich echt zu genervt.....
      Gruß Martin


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      Hallo

      Ja das kenne ich :D Mir sind auch schon Kugeln "rausgefallen" beim draufdrehen der Mutter.War bei dir nicht so ein Kunststoffröhrchen dabei? Interessant wird es wenn du zuwenig Vorspannung hast auf einem Wagen und die "umkugeln" willst .... dafür habe ich mir nach einigen versuchen wo ich später schlauer war aus PLA eine Schiene gedruckt. Wenn ich Kirchgänger wäre dann hätte ich öfters in den Beichtstuhl gemusst bei dieser ganzen Kugelaktion :evil:
      Gruß
      Michael

      The post was edited 1 time, last by DC67 ().

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      Hallo Martin, noch einfacher ist es, wenn Du die beiden Dichtringe gleich separat montierst. Also erst einen Dichtring richtigrum aufdrehen, dann die KUS Mutter mit der Hülse (richtigrum) aufdrehen und zuletzt den zweiten Dichtring aufdrehen und erst auf der Spindel durch drehen vereinigen. Dichtung bis Anschlag zur Mutter hin drehen und mit den Madenschrauben leicht fixieren.
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      Hallo Oliver,

      da braucht Dir nichts leid tun :) . Jetzt nach drei Tagen kann ich selbst darüber lachen und natürlich den Kopf schütteln wie man sich so verrennen kann. Vor lauter "das muss doch gehen" wird man betriebsblind und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

      Die Geschichte sollte auch zum schmunzeln anregen - das Leben ist ernst genug.

      Ein Gutes hat das Ganze ja auch noch, ich weiß jetzt wie das geht und das nächste mal geht das alles ganz einfach und ohne Frust.

      :thumbsup:

      Ich denke wenn es dann mal ernst wird mit der Elektrik bei der Steuerung und beim Einrichten von Linuxxcnc gibt es genügend neuen Stoff für Geschichten die das Leben schreibt.
      Gruß Martin


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